AN AMERICAN CRIME

 



Sundance Film Festival (Premiere):
19.01.2007 | Deutschland (DVD-Vö): 16.05.2008
Laufzeit: 93 Min. | FSK: 16
Vertrieb: Capelight

 

Crew

Cast

 

Director:
Tommy O'Haver

Producer:
Jocelyn Hayes, Katie Roumel,
Kevin Turen, Christine Vachon,
Henry Winterstern

Executive Producer:
Pamela Koffler, John Wells

Screenwriter:
Tommy O'Haver, Irene Turner

Ellen Page alias Sylvia Likens

Catherine Keener alias Gertrude Baniszewski

Ari Graynor alias Paula Baniszewski

Scout Taylor-Compton alias Stephanie B.

Tristan Jarred alias Johnny Baniszewski

Hayley McFarland alias Jennifer Likens

Evan Peters alias Ricky Hobbs

James Franco alias Dennis

 

Inhalt

Im Sommer 1965 werden die beiden Mädchen Sylvia und ihre jüngere Schwester Jennifer bei der allein erziehenden Mutter Gertrude Baniszewski und ihren fünf Kindern zur Pflege abgegeben, während ihre Eltern für einige Monate mit dem Jahrmarkt unterwegs sind. Anfangs haben sich die Mädchen super in die Familie integrieren können und wurden auch gut von den Baniszewskis aufgenommen, doch hält dies nicht von langer Dauer. Alle leiden unter den Launen von Gertrude, die offenbar nicht nur körperlich krank ist, sondern auch mit starken Stimmungsschwankungen zu kämpfen hat. Eine zusätzliche Belastung ist die Armut, die über sie hereinbricht. Dem 16-jährigen Mädchen Sylvia werden plötzlich Lügen, Diebstähle und andere Taten unterstellt, die sie alle nie begangen hat. Um dem Ärger aus dem Weg zu gehen, setzt sie sich dagegen kaum zur Wehr und lässt schlimme Beschimpfungen und körperliche Misshandlungen über sich ergehen. Eines Tages wird Sylvia mit Gewalt die Kellertreppe heruntergeschuppst und dort mehrere Tage von der Familie festgehalten. Die Baniszewski-Kinder, sowie Kinder aus der Nachbarschaft kommen herbei, um die am Boden liegende und schwer verletzte Sylvia weiter zu quälen. Ihre Schreie dringen durch die Nachbarschaft, doch schert sich keiner von ihnen dafür und schreitet daher auch nicht ein. Sylvia hält die schlimmen Qualen nicht lange aus...

 

Kommentar

Wer mit Jack Ketchums Roman "Evil" (Originaltitel: "The Girl Next Door") vertraut ist und sich anschließend "An American Crime" ansieht, der könnte zunächst enttäuscht darauf reagieren, was er hier zu sehen bekommt. Denn diese Geschichte basiert nicht auf dem Roman von Ketchum, sondern erzählt die Geschichte auf seine ganz eigene Art und verläuft daher auch völlig anders, im Vergleich zu dem, was in Ketchums Version alles geschehen ist. Jedoch lässt sich mit ziemlicher Gewissheit sagen, dass egal wie die Geschichte nacherzählt wird, sie immer einen aufs Bitterste schockiert. In Ketchums Roman erzählt ein inzwischen alt gewordener Mann - einer der Jungen aus der Nachbarschaft, der damals bei den Folterungen anwesend war - in Rückblenden, was damals genau vorgefallen ist. In "An American Crime" wird auch in Rückblenden erzählt, allerdings gehen diese einer gerade laufenden Gerichtsverhandlung hervor. Die Szenen der Verhandlung nehmen nur einen sehr geringen Teil des Films in Anspruch. Die meiste Zeit über ist man mit den Rückblenden beschäftigt - und das ist auch völlig in Ordnung so. Denn schließlich ist man als Zuschauer weniger daran interessiert, wie ein Prozess verläuft, sondern möchte mehr über die Ereignisse erfahren, wie es überhaupt zu solch einer schrecklichen Tat gekommen ist und wie das ganze sein Ende genommen hat.

Ellen Page ("Hard Candy") spielt die Rolle des 16-jährigen Mädchens, das im Keller von ihrer Pflegemutter, ihren Kindern und den Kindern aus der Nachbarschaft auf das gehässigste gequält wird. Ellen Page (21) hat die Rolle des 16-jährigen Mädchens sehr gut verkörpert - vielleicht sogar zu gut. Denn in manchen Situationen hat sie sogar noch jünger gewirkt. Vielleicht lag es aber auch nur an ihrer zurückhaltenden - fast unschuldigen - Art und Weise, wie sie die Rolle spielen musste. Die etwas bekanntere Catherine Keener hat die Rolle der Gertrude Baniszewski übernommen. Obwohl Keener anfangs die Rolle abgelehnt hatte, hat sie diese letztendlich doch angenommen. Es hätte wohl kaum eine bessere Darstellerin gefunden werden können, als Catherine Keener, die mit einer Überzeugung die launische Gertrude verkörpert hat. Die anderen Charaktere aus dem Film sind mehr oder weniger in den Hintergrund gesteckt worden. Letztendlich waren es aber auch einfach zu viele, die man nicht alle hätte dem Zuschauer näher bringen können. So bekommt man auch Scout Taylor-Compton (Rob Zombies "Halloween") und James Franco ("Spider-Man") zu sehen.

Der Film erzählt in einer fast unerträglichen Anspannung, wie sich das Grauen ereignet hat, was das junge Mädchen über sich ergehen lassen musste. Keiner hätte zu Beginn je geahnt, zu welch einem schlimmen Ausmaß das ganze führen würde. All das kam schleichend und das wurde im Film auch sehr gut dargestellt. Vor allem den seelischen Abstieg der Gertrude bekommt man glaubwürdig präsentiert. Man erlebt sie als liebevolle, aber leicht überforderte Mutter. Mit der Zeit nimmt sie eine zunehmende Strenge an und fällt in ein tiefes Loch. Zum Schluss kennt sie selbst den Ernst der Lage nicht mehr, während ihre Kinder aber wieder zu Verstand kommen und das bedauern, zu was sie von ihrer Mutter gezwungen wurden.

"An American Crime" ist nicht nur eine der grausamsten Geschichten, weil sie auf einer wahren Begebenheit basiert. Nein, denn selbst wenn diese Geschichte nur reine Erfindung wäre, hätte man die selbe Haltung darüber angenommen. Abschließend lässt sich sagen, dass der Film kein Horror-Thriller ist, sondern mehr in die Kategorie Drama gehört. Ein Drama, welches so tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken lässt, dass es durchaus seine Berechtigung hat, von der Horrorfangemeinde mit offenen Armen empfangen zu werden.

 

Fazit

Die Geschichte ist so beklemmend und schockierend zugleich, dass man ohne Blut und eindeutige Folterszenen den Zuschauer fesseln kann. "An American Crime" ist eine äußerst gelungene Verfilmung der erschreckenden Ereignisse, die sich tatsächlich so ereignet haben.

Weitere Empfehlung: "Jack Ketchum's Evil" (Filmrezension)

 

Screenshots

         
         

 

 

Inhalt, Kommentar und Fazit von Oliver Gogel

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